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Als Querverbindung nach Böhmen zweigte seit dem 15.11.1910 vom "Ilztalbahn"-Bahnhof Waldkirchen die Nebenstrecke nach Haidmühle ab. Der grenzüberschreitende Betrieb, auf dessen Basis die Strecke errichtet worden war, war jedoch bereits durch den Eisernen Vorhang 1945 unmöglich geworden, und so kam es, dass der Personenverkehr mit zuletzt nur einem einzigen Schienenbuspaar in die überaus dünn besiedelte Gegend von Waldkirchen bis Haidmühle nur bis zum 26.05.1963 bestand. Der Wohnwagenherstellter Knaus Tabbert in Jandelsbrunn trug maßgeblich dazu bei, dass die Strecke ihren Güterverkehr bis Mitte der 1990er Jahre behalten konnte. Auch die Verladung von Holz für den Bahnhof Waldkirchen und auch die Belieferung für den örtlichen Kohlehändler im Einzelwagenverkehr war hier noch in den 1980er Jahren keine Seltenheit. In den Jahren vor der Einstellung des restlichen Güterverkehrs, und somit auch des Gesamtverkehrs Waldkirchen-Jandelsbrunn am 01.10.1994, wurden aber v.a. nur noch Rohstoffe (Materialien in Kisten verpackt) für einen Händler am Bahnhof an die Laderampe angeliefert, die ehemals der Wohnwagenverladung diente. Am trüben 21.02.2016 nutzte ich die Gelegenheit, den jetzigen Zustand der ehemals recht umfangreichen Gleisanlagen in Jandelsbrunn zu dokumentieren und war erstaunt, was dort noch so erhalten blieb. Abgesehen vom demontierten Hauptgleis, das jetzt als Adalbert-Stifter-Radweg Waldkirchen-Haidmühle bzw. Loipe fungiert, finden sich dort außer dem schmucken Empfangsgebäude noch 2 Nebengleise und die ehemalige Laderampe.
 
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Zwischen Fasching und Ostern sorgte 1994 nur noch ein Händler in Jandelsbrunn für seltenes und eher geringes Güteraufkommen. Verladen wurde an der ehemaligen Knaus Tabbert-Laderampe, die man im Bild links erkennen kann. (Foto: Matthias Müller)

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Der Sprung in das Jahr 2016: Der Fotostandpunkt auf dem aktuellen Foto befindet sich nur einige Meter weiter am immer noch sehenswerten, hölzernen Empfangsgebäude, welches in ähnlicher Form nur noch Verwendung in Obernzell (Strecke Erlau-Obernzell) und Fürstenstein (Strecke Deggendorf-Kalteneck) fand. Noch immer lassen sich die damals recht umfangreichen Gleisanlagen erahnen. Das Hauptgleis und die Weiche am Gebäude wurden bereits demontiert, da sie besagtem Radweg weichen mussten, links im Bild kann man jedoch weiterhin den Beginn der Nebengleise sehen. Starker Bewuchs verdeckt allerdings nun den Blick auf die hügelige Landschaft des Böhmerwaldes.

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An dem oben bereits erwähnten Wintertag im Jahre 1994 war 212 114 noch vor Ostern mit Rangierarbeiten zum Austausch einiger gedeckter Güterwagen in Jandelsbrunn beschäftigt. Von der Wohnwagenverladung war länger nichts mehr zu sehen. Schon wenige Monate nach der Aufnahme, am 01.10.1994, sollte auch hier endgültig "Schluss" sein. (Foto: Matthias Müller)

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Fast "unverändert" liegen sie auch 2016 noch dort, die beiden Nebengleise, die v.a. für die Rangierarbeiten im Güterverkehr erforderlich waren. Die im obigen Bild von 212 114 verdeckte Laderampe erkennt man links im Bild. Durch starke Vegetation ist eine "sinnvolle" Begehung der Gleisreste wohl nur im Winter möglich.